Geschichte Elektroversorgung


Schon um 1900 sind in unserer Gegend Projekte für die Versorgung von elektrischem Licht und Kraft aufgetaucht. Als erstes war ein Werk am Gonzenbach, mit einem Stausee vom Giessenfall bis zum Bödmeli geplant. Infolge zu wenig konstantem Wasserzufluss wurde das Projekt wieder aufgegeben. Später wurde in Dreien von privater Seite eine Stromerzeugungsanlage mit Gleichstrom geplant. Da keine bindenden Zusagen gemacht werden konnten, scheiterte das Projekt.

Am 18. Mai 1909 erliess der Regierungsrat eine Botschaft an den grossen Rat, die sich mit einer kantonalen Elektrizitätsversorgung befasste. Damals bestanden im Kanton bereits einige Werke, die von Privaten betrieben wurden. 40 Gemeinden verfügten aber noch über gar keine elektrische Energie - das genau vor hundert Jahren.

Im November 1909 bewilligte der grosse Rat einen Kredit von 2,6 Mio. Franken für die Erstellung einer kantonalen Energieversorgung. Der Regierungsrat konnte mit der Stadt Zürich einen Energieliefervertrag für Albulastrom, mit einer Leistung von 2000 kW abschliessen. Das neue Unternehmen erhielt den Namen "Elektrizitätswerk des Kantons St. Gallen" (EWSG).

An der Dorfgenossenversammlung vom 2. Dezember 1910 wurde die Einführung für die elektrische Licht- und Kraftstromversorgung durch das EWSG beschlossen. Zwischen den beiden Kontrahenten wurde eine Konzessionsvereinbarung abgeschlossen, in der unter anderem vereinbart wurde, dass die Korporation die Anlagen frühestens nach 10 Jahren zurückkaufen könne. Der Bau von Hoch- und Niederspannungsleitungen und Installationen wurde derart gefördert, dass für die Korporation schon am 11. Februar 1911 das elektrische Licht seinen Einzug hielt. Die Spannung für Licht betrug 145 Volt und für Kraftstrom 250 Volt.

Die Anlagen wurden immer mehr ausgebaut, so dass 1929 das Verteilungsnetz nicht nur den Dorfkreis umfasste, sondern auch die Weiler Aufeld, Rafeldingen, Hohmatt, Bild, Fridlingen, Haaggen, Hofwis, Winkeln und Neuhof. Der Gedanke eines Rückkaufs wurde in der Korporation schon früh laut. So erteilte die Dorfkommission bereits 1920 dem Ingenieurbüro Strehlin in Zürich den Auftrag, ein Gutachten über den Rückkauf der elektrischen Anlagen auszuarbeiten. An der ordentlichen Korporationsversammlung wurde das Vorhaben aber abgelehnt, weil die Rendite nicht gesichert schien. Zudem hätten die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) verlangt, dass die Korporation alle im Gemeindegebiet Mosnang bestehenden Anlagen übernehmen müsste. Dagegen wehrte sich die Korporation aber energisch.

Bereits am 8. März 1928 wurden mit der SAK erste Verhandlungen für einen Rückkauf geführt. Daraus ergab sich, dass die SAK in sehr zuvorkommender Weise das Einverständnis gab, dass nur diejenigen Anlagen zurückgekauft werden mussten, die an der Trafostation Dorf angeschlossen waren. Der jährliche Stromverbrauch betrug zu dieser Zeit 31'350 kWh bei einer Höchstleistung von 20 kW. Heute sind es etwas 6'000'000 kWh bei einem Leistungsmaximum von 1'060 kW. Es wurden verschiedene Rentabilitätsberechnungen durchgeführt, da bezüglich Rendite viele Bedenken bestanden. Auch der Einbezug von Wiesen, Dreien und Mühlrüti wurde geprüft, mangels Rendite aber wieder fallen gelassen.

An der ausserordentlichen Dorfgenossenversammlung vom 5. August 1929 wurde das Gutachten für den Rückkauf des Netzes ohne Gegenstimmen genehmigt. Bereits am 1. Dezember 1929 ist die Umhängung der Leitungen auf die neue Trafostation hinter dem "Löwen" erfolgt. Abends um 17.30 Uhr wurde der Strom eingeschaltet und die ganze Anlage funktionierte einwandfrei. Am Montag, den 2. Dezember 1929 um 12.00 Uhr ging das gesamte Netz in Eigentum der Dorfkorporation Mosnang über, die seither für den Betrieb verantwortlich ist. Der Kaufpreis betrug Fr. 42'240.20.

Im Auftrag von Emil Anderegg St. Gallen wurden in verschiedenen Häusern von Mosnang Webmaschinen montiert, welche mit elektrischen Motoren von 1/3 PS betrieben wurden. Die Heimarbeiten waren dazumal eine willkommene Verdienstmöglichkeit. Die Weber forderten bald eine Reduktion des Strompreises. Die Kommission vertrat jedoch die Ansicht, dass nicht schon nach dem ersten Betriebsjahr am Tarif herumgenörgelt werden sollte. Dieses Traktandum wurde aber in den kommenden Kommissionssitzungen zum Dauerbrenner. Nach dem ersten Betriebsjahr stieg der Stromverbrauch auf 50'600 kWh bei einem Leistungsmaximum von 21 kW. Im ersten Jahr wurde ein Ertrag von Fr. 4'768.20 erwirtschaftet. 1937 betrugen die Stromtarife für Lichtstrom 45 Rp./kWh, für Motorenstrom 13 Rp./kWh und für Wärmestrom 10 Rp./kWh.

Bald gab es schon die ersten Reklamationen über schlechtes Licht. Man befürchtete, dass die Motoren auch nachts betrieben wurden, obwohl sie nur am Tag bewilligt waren. Die entsprechenden Betreiber wurden verwarnt. Im Jahre 1942 und 1949 herrschte akuter Energiemangel. Es wurde verordnet, dass mindestens 25% Strom eingespart werden musste. Boiler durften nur noch sonntags  eingeschaltet werden. Bei Nichteinhalten wurde der Strom für eine Woche unterbrochen.

1946 wurde der erste Teil der Filtex Fabrik gebaut. Infolge des ständig wachsenden Stromverbrauchs wurde das Netz etappenweise von 145/230 Volt auf die Spannung 220/380 Volt umgebaut. Im Jahre 1958 wurde der Bau einer neuen Messstation mit Fernsteuerungsanlage hinter dem Hirschen beschlossen. Gleichzeitig wurde dem Bau einer Hochspannungsleitung und Trafostation im Aufeld und in Fridlingen zugestimmt. Die Kosten betrugen Fr. 190'000. Für diese Finanzierung musste auf den Stromrechnungen ein Zuschlag von 20% belastet werden.

1963 verlegte die Dorfkorporation für den Anschluss der neuen Wohnblöcke der Filtex AG im Grund und zur Verbesserung der Stromversorgung der Häuser im Sonnenrain ein Hochspannungskabel und erstellte eine  Trafostation. 1966 baute sie eine Hochspannungs-Trennkabine bei der Filtex, wovon eine Hochspannungsleitung mit Trafostation nach Winkeln erstellt wurde. Mit der Verbindungsleitung ab Hofwis bis zum Taraholz war eine Ringleitung ab Messstation geschaffen, was die Betriebssicherheit für die Fabrik erheblich verbesserte.

1974 kam in Geretingen der Bau des Kieswerkes von Jakob Wettmer. Damit die grossen Motoren mit genügend Strom beliefert werden konnten, wurde ein Hochspannungsanschluss mit Trafostation erstellt. Zur Strombelieferung der Landwirtschaftsbetriebe Haaggen - Schönengrund wurde 1975 im Haaggen eine Trafostation mit einer zweiten Messstelle gebaut.

Diese Zusammenstellung gibt Auskunft über die markantesten Bauten der Elektroversorgung Mosnang. Die sich ständig ändernde Technik wird auch in Zukunft nicht innehalten. Nur durch ständiges Erneuern kann das Netz in einem betriebssicheren Zustand erhalten bleiben.

 

Trafostation Bütschwilerstrasse
Trafostation Bütschwilerstrasse
Messstation Libingerstrasse
Messstation Libingerstrasse
Trafostation Sonnenrain
Trafostation Sonnenrain
Freileitung Friedlingen
Freileitung Fridlingen
Schalt- u. Trafostation Chürzestrasse
Trafostation Bild
Trafostation Bild
Trafostation Haaggen
Trafostation Haaggen
Mosnang Dorfansicht
Mosnang Dorfansicht
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